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Südtirol Jazzfestival Alto Adige 201025. Juni bis 4. Juli
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1982 bis 2007 PDF: 1.4 MB Infos & NewsZurück
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13.02.2010 - 09:20
Orchestrion - das Projekt (Teil 1) Dieses neue Projekt entstand aus einer Überlegung, die eine Vorstellung aus der vorletzten Jahrhundertwende mit der Technologie des 21. Jahrhunderts vereint, und eine gewissermaßen grenzenlose Plattform für musikalische Komposition, Improvisation und Darbietung bildet. Ich verwende „Orchestrionics“ als Begriff für die Entwicklung eines Ensembles akustischer und elektrischer Instrumente, die mittels Solenoiden (Zylinderspulen zum Erzeugen von Magnetfeldern) und Luftruck mechanisch betätigt werden. Ich kann mit einer Gitarre, einem Stift oder einer Tastatur gleichermaßen detaillierte Kompositionsgrundlagen wie spontane Improvisationen schaffen und mich verschiedener Elemente bedienen, die bei dieser Art von Aufnahme die Komposition beeinflussen. All diesen Klängen füge ich noch jene meiner E-Gitarre als Improvisationselement hinzu. Für mich erweitert dieses Experiment die Bedeutung des Begriffs „Soloalbum“, eröffnet neue Ebenen und definiert das Konzept einer Soloperformance eines einzigen Musikers neu. Mit diesem Projekt habe ich mir einen alten Traum zu diesem besonderen Aspekt der Kreativität erfüllt. Das Player Piano Als Kind fuhr ich im Sommer manchmal zu meinen Großeltern in Manitowoc, Wisconsin, der Geburtsstadt meiner Mutter. Mein Großvater, Delmar Bjorn Hansen, war ein großer Musiker, ein ausgezeichneter Trompeter und Sänger. Seine Leidenschaft für Harmonie hat mich stark beeinflusst. Wann immer ich ankam, stürzte ich mich im Keller auf eines unserer Familienkleinode: ein Player Piano, das damals bereits 50 Jahre alt war. Wir hatten dafür Rollen mit Musik aller erdenklichen Richtungen, und gemeinsam mit meinen Cousins probierte ich stundenlang jede Rolle, jede Pedalfunktion aus, bis wir vor Müdigkeit umfielen. Schon der Gedanke an ein derartiges Instrument, das mechanisch selbständig alles spielen konnte, war für mich umwerfend. Ich war fasziniert: Einerseits handelte es sich hier wohl um ein überholtes Instrument, andererseits aber auch um ein Ding der Zukunft. Im Laufe der Jahre wuchs meine Faszination, ich studierte die Geschichte dieses Instrumententyps und der Orchestrien aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, und meine Idee wurde klarer: Mechanisch betätigte Instrumente sollten, wie das Piano und seine Rolle, zusammengeschlossen werden, um einen Klangteppich ähnlich dem eines Miniaturorchesters erzeugen. In Anbetracht des Repertoires, das auf dieser Sorte Instrumente üblicherweise gespielt wurde – leider kannte ich damals Conlon Nancarrow oder George Antheil nicht, sie gehörten gewissermaßen nicht zur Plattensammlung meines Großvaters – habe ich mich oft gefragt, wie es wohl klingen würde, wenn das Potential dieser Instrumente mit modernen Mitteln, unter Einbezug der Entwicklung von Harmonie und Melodie im Jazz über die letzten 70 bis 80 Jahre, genutzt würde. Ich wollte herausfinden, ob ich damit etwas künstlerisch Wertvolles und Persönliches schaffen könnte. Etwas Hintergrundwissen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts, als die ersten Player Pianos – also Klaviere, deren Tasten mittels gestanzter Papierrollen mechanisch bewegt wurden – aufkamen, schien es ein logischer Schritt, dasselbe Prinzip auch auf sämtliche Orchesterinstrumente anzuwenden, Perkussions- und Schlaginstrumente wie Xylofon, Vibrafon, Marimba und dergleichen inbegriffen. Diese Instrumentkombinationen nannte man Orchestrien. Die Orchestrien erlangten den Höhepunkt ihrer Beliebtheit in den Jahren vor der Erfindung der Tonaufnahme. Diese Zeit ist aus vielen Gründen eine höchst interessante Übergangsphase: Erstmals gelangte die Musik eines Künstlers an ein weit in der Welt verstreutes Publikum und bewahrte doch die Grundcharakteristika seiner persönlichen Spielart. Das Projekt ORCHESTRION 1978 nahm ich eine Platte namens NEW CHAUTAUQUA auf. Mein Plan war es, das Tonstudio selbst als Instrument zu verwenden und verschiedene Gitarrenspuren aufeinander zu legen, um ein Ganzes zu schaffen. Das Hauptproblem war dabei, dass die so kreierten Klänge niemals live umgesetzt werden konnten. Später wurde es dank live looping (den so genannten Samples) möglich, einen Teil des im Studio Erreichten auch auf die Bühne zu bringen, aber sogar damit kann ich kaum etwas von den Harmonien, die ich so liebe, live umsetzen. Ich wollte immer schon etwas komponieren, das mit modernsten Mitteln die Kraft richtiger akustischer Instrumente voll ausschöpft. Die Musik Als Musiker und Gitarrist, der gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufwuchs, führte ich ein Parallelleben tief in Reich der Musiktechnologie. Manchmal sage ich im Scherz, ich hätte meine erste musikalische Handlung vollbracht, als ich eine E-Gitarre anschloss. Knöpfe, Schalter und Drähte sind für mich, was für andere Musiker Mundstücke, Bögen, Blätter oder Sticks sind. Neben der Entwicklung des Computers, die unser aller Leben über die vergangenen 40 Jahre stark beeinflusst hat, haben wir auch radikale Änderungen in der Musikproduktion erlebt. Obwohl ich aber seit je her ein Fan von Synthesizern und elektrischen Instrumenten bin und diese Instrumente eine ungeheure Entwicklung hinter und sicherlich auch noch vor sich haben, hat mich der Gedanke an eine Reihe polyphoner Töne aus einem Boxenset nie so sehr begeistert wie der Klang eines einzelnen Instruments aus einem einzigen mittelmäßigen Verstärker (E-Gitarre), oder allgemein der Klang und die Kraft akustischer Instrumente. Ich war nie der Ansicht, dass sich diese Klangelemente – seien sie akustisch oder elektrisch – gegenseitig ausschließen. Es ist doch viel interessanter mit verschiedenen Klang- und Dynamikstufen alle möglichen Kombinationen durchzuprobieren – vom Lautesten der Lauten bis hin zum Leisesten der Leisen. Pat Metheny, Jänner 2010 Fortsetzung folgt... TextkommentareZurück |